Arbeitsmarkt fordert mehr Mobilität von Talenten

15 Dezember 2020

Wie garantieren Unternehmen, dass alle anstehenden Kompetenzlücken zeitnah geschlossen werden? Der traditionelle Ansatz – die Einstellung von festangestellten Arbeitnehmern mit festem Gehalt – wird in den meisten europäischen Ländern nach wie vor bevorzugt. Zu diesem Ergebnis kommt eine jüngste Umfrage des europäischen Personal- und Lohnabrechnungsdienstleisters SD Worx. Immer mehr Personalabteilungen erweitern jedoch ihren Horizont. In Zeiten von COVID-19 ist intelligentes Personalmanagement dringlicher denn je, und Arbeitgeber sollten diese Gelegenheit nutzen, ihre Talentstrategien gründlich zu überdenken.

Der Arbeitsmarkt hat Arbeitgeber in letzter Zeit auf den Prüfstand gestellt. Der zunehmende Bedarf an neuen (digitalen) Fähigkeiten und Kompetenzen, der Massenabgang von Babyboomern und die weltweite Pandemie erschweren es Unternehmen, das richtige Talent zu finden.

So gehen Unternehmen laut der Umfrage heute ihren Kompetenzbedarf an:

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Der Kauf von Talenten belegt den Spitzenplatz

Erwartungsgemäß ist der Kauf von Talenten die bevorzugte Option, wenn Unternehmen ihre Belegschaft stärken möchten. Fast die Hälfte der Zeit (47 %) greifen europäische Unternehmen auf neue festangestellte Arbeitnehmer zurück, um Qualifikations- und Kompetenzlücken zu schließen, wobei Spanien (65 %), Belgien (52 %), die Niederlande (52 %), Italien (51 %) und die Schweiz (48 %) überdurchschnittliche Zahlen aufweisen. Die einzigen Länder, in denen der Kauf von Talenten nicht die gängigste Praxis ist, sind Irland und das Vereinigte Königreich, wo der Kampf um Talente aufgrund niedrigerer Arbeitslosenzahlen noch stärker ist als auf dem Kontinent.

Aus- und Weiterbildung als fruchtbare Alternative

Eine erste Alternative zum Kauf von Talenten ist die Suche nach Lösungen innerhalb des Unternehmens. Die SD Worx-Umfrage zeigt, dass die Qualifizierung und Umschulung von Arbeitnehmern heute in den meisten Ländern eine sehr gängige Praxis ist. Deutsche und britische Arbeitgeber legen besonderen Wert darauf, ihre Arbeitnehmer nach ihren Wünschen zu formen. Aber auch Österreich, Frankreich, die Schweiz, Polen und Irland gehen diesen Weg, wobei in etwa einem Drittel der Fälle der Aufbau von Talenten die bevorzugte Vorgehensweise ist. Dies geschieht meist durch formelle Ausbildungen, aber auch temporärer Austausch und interne Praktika sind wertvolle Initiativen, die es den Arbeitnehmern ermöglichen, neue Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln.

„Talente zu entwickeln steht in engem Zusammenhang mit der Förderung der internen Mobilität. Dies ermöglicht es Arbeitgebern oft, offene Stellen kostengünstig zu besetzen. Durch die Ausrichtung auf nachhaltige Beschäftigungsmodelle sind Arbeitnehmer zudem produktiver und loyaler gegenüber dem Unternehmen“, Maria Macho, SD Worx.

Zeitarbeitskräfte auf dem Vormarsch?

Eine weitere Möglichkeit, der Belegschaft eines Unternehmens mehr Flexibilität zu verleihen, ist der Einsatz von Zeitarbeitskräften – Arbeitskräften, die nicht auf der ständigen Lohn- und Gehaltsliste von Unternehmen stehen. Beispiele hierfür sind Freiberufler, Abrufkräfte und entsandtes Personal. Während diese Praxis bei den meisten Arbeitgebern derzeit noch nicht die Strategie der Wahl ist, könnte sich dies bald ändern. Rund 30 % der europäischen Unternehmen beschäftigen bereits Zeitarbeitskräfte und weitere 30 % erwägen dies ebenfalls.

Warum genau sollten Arbeitgeber die Einstellung vorübergehend Beschäftigter also zumindest in Betracht ziehen? Dies sind laut Unternehmen, die bereits Flexarbeiter beschäftigen, die Hauptgründe*:

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Talent Sharing als vielversprechende (neue) Vorgehensweise

COVID-19 hat den Arbeitsmarkt in zwei Teile aufgeteilt: einerseits Unternehmen, die sich vergrößern, und andererseits solche, die schrumpfen müssen. Diesem Ungleichgewicht könnte begegnet werden, indem Talente zwischen Unternehmen und Sektoren – Stichwort externe Mobilität – ausgetauscht werden. In Belgien beispielsweise bringt SD Worx Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammen. Die Unternehmen könnten dies allerdings auch selbst tun. Mehr als ein Viertel der europäischen Unternehmen gibt sogar bereits an, dass der Austausch von Talenten in ihrer Personalverwaltung etwas bis sehr verbreitet sei.

„Das aktuelle Geschäftsklima zwingt Unternehmen, ihre Workforce-Management-Strategien zu überdenken. Zusammenfassend heißt das, dass Unternehmen ein Gleichgewicht schaffen müssen zwischen einer soliden, ständigen Belegschaft, um den ständigen Kompetenzbedarf zu bewältigen, und einer flexibleren Belegschaft, um schnell auf einen sich ändernden Personalbedarf reagieren zu können. Jedes Unternehmen sollte entscheiden, welche Praktiken, wie interne und externe Mobilität, am besten zu seinem Kontext passen, aber eines ist sicher: Es gibt mehr Möglichkeiten als je zuvor“, folgert Maria Macho.